Forschung – Herzrhythmusvariabilität

Herzrhythmusvariabilität und Salutogenese

(Von Dr. A. Lohninger)

Medikamente helfen, Krankheiten in Schach zu halten. Dazu trägt das immer bessere Verständnis verschiedener Prozesse auf biochemischen und molekularen Ebene bei. Diese medizinischen Prozesse, welche uns helfen über Krankheiten hinwegzukommen, werden mit der Zeit immer besser verstanden. Währenddessen ist das wissenschaftliche Verständnis von Selbstheilung nur im geringen Ausmaß vorhanden.

Wie wird die Gesundheit nach einer Krankheit wieder hergestellt? Welche eingebauten, unbewussten Mechanismen gibt es, die helfen und zu „reparieren“? Wie wirken heilende Maßnahmen? Um all dies zu verstehen braucht es Zeit und es gibt immer noch Mysterien. Medizinische Forschung hat uns dennoch bereits einige Einblicke in diese Fragestellungen gegeben.

Man könnte sagen, dass Menschen nicht nur einen physischen Körper haben, der durch die Anatomie beschrieben wird und aus mehr als 60 Billionen Zellen besteht. Die Menschen haben auch einen „zeitlichen Körper“. So weit wir wissen, werden biologische Prozesse nicht nur durch „Anweisungen“ oder unabhängig von Interaktionen mit dem Rest des Organismus durchgeführt. Vielmehr scheint es so, dass jede einzelne Interaktion oder „Fluss“ , seien es die Sekretionsmuster der Hormone, die Verdauung von Lebensmitteln, die Erzeugung von mentalen Eindrücken im Gehirn, der Blutdruck, der Herzschlag, das Atmen, die Körpertemperatur, das Zwinkern oder reproduktive Instinkte – alle folgen ihren eigenen speziellen Rhythmen. Nur dieses adaptiv-antizipierende Zusammenspiel macht es möglich, dass selbstregulierende Prozesse wirksam und schnell in uns stattfinden.


Herzrhythmusvariabilität und TaKeTiNa

(Von Dr. A. Lohninger)

Im Grunde genommen basiert Reinhard Flatischlers innovative Rhythmuspädagogik auf dem Atmen und der Bewegung. Im Rahmen von TaKeTiNa schaffen es Teilnehmer, das Atmen und die Bewegung vom Bewusstsein zu trennen. Dadurch können sie zu einem angeborenen inneren rhythmischen Zustand zurückkehren, welcher den gesamten Organismus positiv beeinflusst. Der Effekt bei einem Individuum wird durch die Zusammenarbeit in einer Gruppe noch weiter verstärkt.

Unsere Messungen der Herzrhythmusvariabilität bei Pausen zwischen TaKeTiNa Rhythmusinterventionen zeigen eine starke Zunahme der vagatonischen Aktivität des autonomen Nervensystems sowie eine verstärkte Synchronisation von Herz und Gehirn.

Die medizinische Grundlagenforschung kann etwa seit dem Anfang des 21. Jahrhunderts auf molekularer Ebene nachweisen, dass die in fatalen Kaskaden verlaufenden Krankheitsprozesse nur im Vagotonus durchbrochen werden können Auch körpereigene Reparaturvorgänge finden nur in Phasen des Vagotonus statt.

Gleichzeitig ist sich die „Schulmedizin“ der Tatsache bewusst, dass durch Medikamente ein natürliches Ausmaß an Vagotonus nur sehr eingeschränkt erzielbar ist. Der Zugang zum autonomen Nervensystem, also der Weg in die Synchronisation des Vegetativums ist aber sehr wohl mit nicht-pharmakologischen Methoden wie etwa TaKeTiNa möglich.


Grundlagen von Herzrhythmusvariabilität (HRV)

(Von: Dr. K. Laczika)

Ein gesundes Herz schlägt nicht maschinell, metronomisch oder gleichförmig – eine Tatsache, die selbst in der Medizin oft nur andeutungsweise bekannt ist. Diese natürliche Unregelmäßigkeit des Herzschlages ist Ausdruck seiner harmonisch simultanen Anpassungsfähigkeit an unmittelbar auftretende Situationen als auch an gleichzeitig ablaufende, körpereigene biologische Vorgänge. Im Idealfall ist das Herz in der Lage, seine Frequenz an jeden einzelnen Atemzug anzupassen. Die Erklärung ist leicht: Jeder Atemzug erzeugt Unterdruck im Brustraum. Durch diesen Sog strömt während der Einatmung Luft, zugleich aber auch kurz mehr Blut in den Brustraum ein. Um dieses erhöhte Blutvolumen aus dem Brustraum in den Körper weiter zu transportieren, schlägt das Herz während der Einatmung kurz minimal schneller, um sich bei der Ausatmung wieder zu entschleunigen.

Während einer erholsamen Tiefschlafphase besteht ein Verhältnis von ca. vier be- und entschleunigten Herzschlägen zu einem Atemzyklus. Über einen Zeitraum von vier Atemzügen ändert sich der Blutdruck in einer langsamen Wellenphase, um wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren, und über vier minimale Blutdruckwellen findet eine Zu- und Abnahme der Gewebsdurchblutung statt. Diese harmonischen Zeitverhältnisse des autonomen Nervensystems sind vergleichbar mit einem musikalischen Obertonspektrum. Diese, dem Willen nicht zugänglichen, unbewusst ablaufenden körperlichen Prozesse münden bei weiterer Vervielfachung in die Ausschüttungszyklen von Hormonen und weisen auf das rhythmisch harmonisch verlaufende Konzept biologischer Vorgänge. Diese Synchronizität und Harmonie ist vor allem im Erholungszustand (medizinisch als Vagotonus bezeichnet) gegeben.


Zusammenfassung von TaKeTiNa / Herzrhythmusvariabilitätsforschung

1) Dr. A. Lohninger

Unsere Messung der Herzrhythmusvariabilität zeigt eine typische Steigerung bei einer TaKeTiNa-Einheit und die Auswirkung dieser Steigerung auf eine 30-jährige Frau mit einer Ausbildung als Rhythmuspädagogin.

In den grün markierten Einheiten sehen wir ein Phänomen einer Frequenzverschiebung im Bereich von 0,1 Hertz.

In den blau markierten Pausen ist eine starke Vagusaktivierung des autonomen Nervensystems zu beobachten. Dies ist durch eine Steigerung im Spektrogramm erkennbar. Die Steigerung in der Parasympathikus-Aktivität ist eine Antwort auf die Rhythmusintervention, die mit jeder Wiederholung zunimmt.

Es lohnt sich auch zu erwähnen, dass vor dem Start der Einheit um 15:00 ein identisches Muster im Bereich von 0,1 Hertz zu beobachten war und die Vagusaktivierung auf einer tieferen Ebene stattfand. Dies zeigt, dass die erfahrene Person eine „vegetative Antizipation“ entwickelt hat.

2) Dr. Laczika:

„Wir sind mit Hoffnung auf medizinische Evidence über die während einer TaKeTiNa-Session ablaufenden vegetativen Prozesse in das Experiment gegangen. Die Ergebnisse haben unsere Erwartungshaltungen jedoch weit übertroffen: synchron zu den Phasen des TaKeTiNa-Prozesses (von Sicherheit über Chaosphasen bis hin zu einem neu erreichten rhythmischen Niveau) spiegelt die HRV-Graphik die synchronen Abläufe der körpereigenen Biorhythmen eindrucksvoll wider.

Eine simultane Video-Dokumentation zeigt nach der Phase des rhythmischen „Ausstiegs“ oder „Chaos“ eindrucksvoll den unbewusst ablaufenden Wiedereinstieg in den Rhythmus. Diese ohne bewusste kognitive Anstrengungen erreichte rhythmische Wiedereingliederung auf höherem Niveau geht in der HRV-Graphik des Teilnehmers mit einer unmittelbaren Rhythmisierung des Vegetativums einher.

Die Messungen zeigen eindeutig, dass TaKeTiNa wiederholt und vorhersehbar ideale Zustände für das Nervensystem und für die Körperrhythmik hervorrufen kann. Ich bin sicher, dass TaKeTiNa sehr bald in großem Ausmaß in der Medizin Einzug finden wird.“