Forschung – Herzrhythmusvariabilität

Herzrhythmusvariabilität und Salutogenese

(Von Dr. A. Lohninger)

Das Verstehen krankheitsfördernder Prozesse auf biochemischer und molekularbiologischer Ebene hat der Medizin ermöglicht, ihr Disease-Management immer weiter zu perfektionieren.

Wie jedoch jene Abläufe funktionieren, die letztlich das Überwinden einer Erkrankung bedeuten, worauf also Selbstheilungsvorgänge auf naturwissenschaftlicher Ebene beruhen, ist nach wie vor ungeklärt.

Welche übergeordneten Prinzipien bewirken die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit nach Krankheit? Welche Mechanismen sind es genau, die permanent und unbewusst in uns ablaufen und uns immer wieder „reparieren“? Wie wirken gesundheitsfördernde Maßnahmen tatsächlich?

Nun, bis zur vollständigen Entschlüsselung dieses Mysteriums müssen wir uns wohl noch gedulden. Aber immerhin liefern die folgenden Aspekte verständliche, in der Praxis erfolgreiche und für die Anwender nachvollziehbare, sinnvolle Fakten aus der chronomedizinischen Forschung.

Menschen verfügen nicht nur über einen – durch die Anatomie beschriebenen – physischen Organismus aus etwa 60 Billionen Zellen, sondern auch einen Zeitorganismus. Denn alle, ja soweit wir wissen, wirklich alle biologischen Prozesse in uns werden nicht aufgrund von „Befehlen“ ausgeführt und schon gar nicht, ohne die augenblickliche „Verfassung“ des restlichen Organismus in das eigene „Tun“ miteinzubeziehen. Es ist vielmehr so, dass jeder Ablauf, sei es das pulsatile Sekretionsmuster von Hormonen, die Prozesse der Verdauung von Nahrung im Bauchraum, oder der Verarbeitung von mentalen Eindrücken im Gehirn, seien es Blutdruck, Herzschlag oder Atmung, seien es Körpertemperatur, Lidschlag oder Fortpflanzung, alles in uns folgt seinem eigenen gesunden Rhythmus. Erst dieses adaptiv-antizipative Schwingen ermöglicht es, Autoregulationsvorgänge innerhalb kürzester Zeit und zugleich höchst ökonomisch ablaufen zu lassen.

Die größte Belastbarkeit, bei gleichzeitig höchster Ökonomie, also „vollkommene Gesundheit und Wohlbefinden“ verspüren wir, wenn in der dritten Woche eines perfekten Urlaubs, frisch verliebt, „die Zeit still steht“. Dann funktionieren wir bestmöglich. Wir sind mit uns und Allem auf einer Wellenlänge, das Leben groovt. Es herrscht die perfekte Resonanz zwischen unseren rhythmischen Systemen, man spricht von Kohärenz, alle Widersprüche des Lebens sind aufgelöst.

Chaos, Dysregulation im Sinne einer überbordenden, unkontrollierten Selbststeuerung, unkoordinierte, divergente biologische Abläufe in uns, das „aus dem Ruder laufen“ der physiologischen Selbststeuerung, sind ebenso in weiter Ferne, wie die Regulationsstarre eines alten, rigiden, leistungsschwachen Organismus.

Wenn uns bewusst ist, dass es immer unser eigener Organismus ist, der sich zum perfekten funktionieren „anstacheln lässt“, sollten wir uns die Frage stellen, wie wir das am besten anstellen können. Ein ganzes Leben lang, frisch verliebt in der dritten Urlaubswoche zu verbringen, ist wohl unmöglich. Es muss ja auch unabhängig von externen Auslösern möglich sein, sind es doch die vibes in uns, wenn unser Gesamtsystem in höchster Kohärenz schwingt.

Wie also können wir unsere Rhythmen lehren sich zu erinnern, mit der optimalen „Werkseinstellung“ zu funktionieren? Welche Pädagogik, welche Rhythmuspädagogik vermag das? All die unzähligen Rhythmen in uns laufen doch in ihrer jeweiligen gesundheitsfördernden oder –schädigenden Frequenz. Und wie sollte man sie beeinflussen?

Die seit Jahrtausenden erprobten asiatischen Techniken des Yoga oder QiGong wussten genau was sie tun. Es gibt nur zwei Rhythmen die sich bewusst gestalten lassen – Bewegung und Atmung. Beide scheinen wohlwollende Macht auf die übrigen rhythmischen Systeme des Menschen ausüben zu können, vor allem wenn Atmung und Bewegung virtuos kombiniert werden.


Herzrhythmusvariabilität und TaKeTiNa

(Von Dr. A. Lohninger)

Dem Grunde nach fußt die erfolgreiche Rhythmuspädagogik des Reinhard Flatischler ebenso auf dem Zugriff zu den beiden einzigen zugänglichen rhythmischen Systemen im Menschen, der Atmung und der Bewegung. Diese beiden, als einzige willkürlich Beeinflussbaren genau dieser Willkür zu entziehen, ist wohl die große Genialität von TaKeTiNa. Im, von Reinhard Flatischler entwickelten Prozess gelingt es den Teilnehmern, Atmung und Bewegung, vom Bewusstsein zu entkoppeln und gleichzeitig zu einem – offensichtlich immanent vorhandenen – Rhythmus „zurückfinden“ zu lassen, der den gesamten rhythmisch strukturierten Zeitorganismus positiv beeinflusst.

Die Wirkung auf den einzelnen Teilnehmer wird durch die, über die Gruppe entstehenden Synchronizität, weiter verstärkt.

Unsere Messungen der Herzratenvariabilität zeigen – neben dem als „Frequency-Shifting“ und „Herz-Hirn-Kohärenz“ bezeichneten Phänomen vermehrter Detektionen im Frequenzbereich von 0,1 Hertz während TaKeTiNa – auch eine reaktive starke Zunahme vagotoner Aktivität des Autonomen Nervensystems während der Pausen zwischen den rhythmuspädagogischen Interventionen.

Dazu ist zu bemerken, dass die medizinische Grundlagenforschung am Beginn des 21. Jahrhunderts auf molekularer Ebene nachweisen kann, dass die in fatalen Kaskaden verlaufenden Krankheitsprozesse nur im Vagotonus durchbrochen werden können. Auch körpereigene Reparaturvorgänge finden – molekularbiologisch bis ins kleinste Glied bewiesen – nur in Phasen des Vagotonus statt.

Gleichzeitig ist sich die „Schulmedizin“ der Tatsache bewusst, dass durch Medikamente ein natürliches Ausmaß an Vagotonus nur sehr eingeschränkt erzielbar ist. Der Zugang zum autonomen Nervensystem, also der Weg in die Synchronisation des Vegetativums, ist aber sehr wohl mit nicht-pharmakologischen Methoden wie dem rhytmuspädagogischen Konzept des Reinhard Flatischler möglich.


Grundlagen von Herzrhythmusvariabilität (HRV)

(Von: Dr. K. Laczika)

Ein gesundes Herz schlägt nicht maschinell, metronomisch oder gleichförmig – eine Tatsache, die selbst in der Medizin oft nur andeutungsweise bekannt ist. Diese natürliche Unregelmäßigkeit des Herzschlages ist Ausdruck seiner harmonisch simultanen Anpassungsfähigkeit an unmittelbar auftretende Situationen als auch an gleichzeitig ablaufende, körpereigene biologische Vorgänge. Im Idealfall ist das Herz in der Lage, seine Frequenz an jeden einzelnen Atemzug anzupassen. Die Erklärung ist leicht: Jeder Atemzug erzeugt Unterdruck im Brustraum. Durch diesen Sog strömt während der Einatmung Luft, zugleich aber auch kurz mehr Blut in den Brustraum ein. Um dieses erhöhte Blutvolumen aus dem Brustraum in den Körper weiter zu transportieren, schlägt das Herz während der Einatmung kurz minimal schneller, um sich bei der Ausatmung wieder zu entschleunigen.

Während einer erholsamen Tiefschlafphase besteht ein Verhältnis von ca. vier be- und entschleunigten Herzschlägen zu einem Atemzyklus. Über einen Zeitraum von vier Atemzügen ändert sich der Blutdruck in einer langsamen Wellenphase, um wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren, und über vier minimale Blutdruckwellen findet eine Zu- und Abnahme der Gewebsdurchblutung statt. Diese harmonischen Zeitverhältnisse des autonomen Nervensystems sind vergleichbar mit einem musikalischen Obertonspektrum. Diese, dem Willen nicht zugänglichen, unbewusst ablaufenden körperlichen Prozesse münden bei weiterer Vervielfachung in die Ausschüttungszyklen von Hormonen und weisen auf das rhythmisch harmonisch verlaufende Konzept biologischer Vorgänge. Diese Synchronizität und Harmonie ist vor allem im Erholungszustand (medizinisch als Vagotonus bezeichnet) gegeben.


Zusammenfassung von TaKeTiNa / Herzrhythmusvariabilitätsforschung

1) Dr. A. Lohninger

Diese Messung der Herzratenvariabilität zeigt den prototypischen Ablauf einer TaKeTiNa-Session und dessen Wirkung auf eine – in der Rhythmuspädagogik geübte – dreißigjährige Frau.

Während der grün markierten Trainings kommt es zu dem, als „Frequency-Shifting“ bezeichneten Phänomen vermehrter Detektionen im Frequenzbereich von 0,1 Hertz.

Während der blau gekennzeichneten Pausen kommt es zu einer starken Zunahme vagotoner Aktivität des Autonomen Nervensystems, erkennbar an einem „Hochflammen“ im dargestellten Spektrogramm. Diese ausgeprägte Zunahme an parasympathischer Aktivität kann als Reaktion auf die Rhythmus-Intervention gewertet werden.

Die Ausprägung der beschriebenen vegetativen Zustandsfunktionen verstärkt sich bei jeder Wiederholung.

Bemerkenswert ist auch, dass es bereits vor dem eigentlichen Beginn der Session um 15:00 Uhr, zu einer identen Musterabfolge mit Fokussierung im 0,1Hz-Bereich und darauf folgender Vagusaktivierung auf niedrigerem Niveau, im Sinne einer „vegetativen Antizipation“, wie sie bei einer geübten Person offensichtlich auftreten kann.

Es ist notwendig, die bisher vorliegenden Einzelbeobachtungen durch standardisierte Forschung zu ergänzen.

2) Dr. Laczika:

„Wir sind mit Hoffnung auf medizinische Evidence über die während einer TaKeTiNa-Session ablaufenden vegetativen Prozesse in das Experiment gegangen. Die Ergebnisse haben unsere Erwartungshaltungen jedoch weit übertroffen: synchron zu den Phasen des TaKeTiNa-Prozesses (von Sicherheit über Chaosphasen bis hin zu einem neu erreichten rhythmischen Niveau) spiegelt die HRV-Graphik die synchronen Abläufe der körpereigenen Biorhythmen eindrucksvoll wider.

Eine simultane Video-Dokumentation zeigt nach der Phase des rhythmischen „Ausstiegs“ oder „Chaos“ eindrucksvoll den unbewusst ablaufenden Wiedereinstieg in den Rhythmus. Diese ohne bewusste kognitive Anstrengungen erreichte rhythmische Wiedereingliederung auf höherem Niveau geht in der HRV-Graphik des Teilnehmers mit einer unmittelbaren Rhythmisierung des Vegetativums einher.

Die Messungen zeigen eindeutig, dass TaKeTiNa wiederholt und vorhersehbar ideale Zustände für das Nervensystem und für die Körperrhythmik hervorrufen kann. Ich bin sicher, dass TaKeTiNa sehr bald in großem Ausmaß in der Medizin Einzug finden wird.“